Auf der Sechs-Seen-Platte wird getestet, gemessen und gestaunt
Eine Woche lang war auf der Sechs-Seen-Platte ein sehr ungewöhnliches Boot unterwegs: ein leuchtend gelbes Forschungsboot des Entwicklungszentrums für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST). Was auf den ersten Blick wie ein kleines Arbeitsboot aussah, war in Wirklichkeit ein hochmodernes Forschungsmodell – vollgepackt mit Sensoren, Kameras und Technik – und maßstabsgerecht einem Binnenschiff nachgebaut. Für uns vom DKSC war es eine spannende Abwechslung zum normalen Vereinsalltag, dieses Forschungsprojekt zu unterstützen.
Das DST arbeitet im Rahmen eines vom Bund unterstützten Forschungsprojekts an der Entwicklung von Binnenschiffen, die auch bei Niedrigwasser auf dem Rhein gut manövrieren können. Gerade bei niedrigen Wasserständen verändern sich die Fahreigenschaften großer Schiffe deutlich. Deshalb wurden verschiedene Heckformen und Antriebskonzepte entwickelt und zunächst im Versuchstank des DST getestet. Für den nächsten Schritt ging es raus aufs Wasser – und dafür wurde die Sechs-Seen-Platte zum Testrevier.
Das Modellboot wurde bei uns am DKSC zu Wasser gelassen und hatte auch seinen Liegeplatz in unserem Hafen. Außerdem konnten die benötigten Materialien und die Ausrüstung bei uns untergebracht werden. Damit war unser Vereinsgelände für eine Woche so etwas wie das „Hauptquartier“ der Forschungsgruppe.
Gefahren wurde das Modellboot vom einem Steuerstand, der bei unserem Nachbarverein ETuS stand, da man von dort die beste Sicht über den Masurensee hatte. Von dort wurde das Boot ferngesteuert und während der gesamten Versuchsfahrten überwacht. Auf dem Wasser wurden dann intensiv die Manövriereigenschaften untersucht: Es wurden Drehkreise gefahren, Anfahr- und Stoppmanöver getestet, Z-Manöver durchgeführt sowie Rückwärts- und Beschleunigungsfahrten absolviert. Dabei wurde genau beobachtet und aufgezeichnet, wie sich das Boot verhält.
Besonders interessant: Das Forschungsboot war komplett elektrisch unterwegs. Kameras und moderne Sensorik lieferten während der Fahrten jede Menge Daten für die spätere Auswertung.
Natürlich kam auch die Sicherheit auf dem See nicht zu kurz. Während der gesamten Testwoche wurde das Forschungsboot von Sicherungsbooten des DKSC begleitet. So konnten die verschiedenen Manöver in Ruhe durchgeführt werden, während gleichzeitig dafür gesorgt wurde, dass auf dem Wasser alles sicher blieb.
Das ungewöhnliche Boot blieb natürlich auch den anderen Wassersportlern auf der Sechs-Seen-Platte nicht verborgen. Immer wieder wurde interessiert nachgefragt, was es mit dem sonnengelben Forschungsboot auf sich hat.
Warum fährt da ein so kleines Boot mit so viel Technik herum? Was wird eigentlich getestet? Wie wird das Boot gesteuert? Und was hat das Ganze mit dem See zu tun? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DST erklärten geduldig, was hinter den Versuchsfahrten steckt. So wurde aus einem Forschungsprojekt ganz nebenbei auch ein interessanter Austausch mit den Wassersportlern am See.
Nach einer intensiven Woche gingen die Forschungsfahrten erfolgreich zu Ende. Die Testfahrten lieferten dem DST wertvolle und aufschlussreiche Ergebnisse für die weitere Entwicklung der Schiffe und ihrer Manövriereigenschaften.
Für uns als DKSC war es schön, ein solches Projekt direkt vor der eigenen Haustür unterstützen zu können. Forschung, Technik und Wassersport haben auf der Sechs-Seen-Platte eine Woche lang bestens zusammengepasst.
Wir bedanken uns beim DST für die gute Zusammenarbeit und natürlich auch bei unserem Nachbarverein ETuS, der seinen Platz für den Steuerstand für die Versuchsfahrten zur Verfügung stellte. Ein besonderer Dank gilt außerdem den Wirtschaftsbetrieben Duisburg als Eigentümer der Sechs-Seen-Platte dafür, dass diese Forschungsfahrten auf unserem See überhaupt erst möglich waren.
Wir freuen uns, dass wir als DKSC einen kleinen Beitrag zu diesem spannenden Forschungsprojekt leisten konnten – und vielleicht schaut das gelbe Forschungsboot ja irgendwann noch einmal bei uns vorbei!
Ein Bericht von Regina Peterschulte